Kurzbeschreibung: Wie gelingt es Ihnen, Humor mit den dunkleren historischen Realitäten in Einklang zu bringen? Alles, was ich sagen kann, ist: Das Leben ist lustig. Wie sollen wir sonst durch die düsteren Phasen unseres Lebens kommen, wenn wir nicht versuchen, irgendwo einen Funken Humor zu finden? So bleibe ich halbwegs bei Verstand – als Schriftstellerin und als Mutter, als jemand, der aus einem Ort kommt, der genauso voller Schönheit wie voller Schrecken und Absurdität ist: Mississippi. Um den Humor hineinzubringen, stelle ich mir oft die Frage: Was ist das absolut Schlimmste, das einer schwierigen, nicht gerade sympathischen Figur passieren kann? Eine Frage wie diese hilft mir, die großen Erzählbögen der Geschichte zu formen (so bin ich bei der Schokoladentorte und den Toiletten auf dem Rasen in Gute Geister gelandet), und sie kann auch das Erleben jener Figuren beeinflussen, die ich besonders gern piesacke. (In Der Club der Unbeugsamen beeinflusst diese Frage all die Arten, auf die Birdie ihre Schwester Frances für ihre Kleinlichkeit piesackt – und hinter Frances’ Begegnungen mit Flossy, die das komplette Gegenteil der gesellschaftlich aufstiegsfixierten Frances ist.) Und die Antworten, die diese Figuren selbst in den schwierigsten Momenten darauf finden, sind oft urkomisch. Ich weiß gar nicht, woher sie das nehmen, aber ich habe gelernt, sie dann einfach reden zu lassen. Was hat Sie dazu bewegt, über diese Frauen in ziemlich verzweifelten Momenten ihres Lebens zu schreiben? Ich schreibe gern über ein Phänomen, das ich „die unterschätzte Frau“ nenne. Das ist eine Frau, an der du auf der Straße vielleicht einfach vorbeigehst oder die du im Supermarkt siehst und bei der es so wirkt, als würde in ihrem Leben nicht viel passieren. Aber in Wahrheit kocht es in ihr, sie ist bereit, ihre Welt zu verändern. Wenn ich an die unterschätzte Frau denke, denke ich auch an meine Mutter, Ruth Stockett. In den 1970er-Jahren war sie eine der ersten in ihrem Freundeskreis in Jackson, Mississippi, die sich scheiden ließ. Danach erwartete man nicht mehr viel von ihr. Sie zog drei Kinder mehr oder weniger allein groß, hatte die Highschool abgeschlossen, aber das College abgebrochen. Eines Tages setzte sie sich hin und brachte sich selbst bei, wie man Computerprogramme schreibt. Später entwickelte sie das erste Programm, das in Mississippi die Impfungen von Kindern erfasste, und viele weitere Programme für das Gesundheitsministerium und den Secretary of State. Ihre Programme wurden schließlich auch in mehreren anderen Bundesstaaten übernommen. Die Leute dachten indes, das Wichtigste, was meine Mutter je erreicht hätte, wäre, in der Highschool zur Homecoming Queen gewählt worden zu sein. Genau über solche Frauen schreibe ich gern. Sie haben Der Club der Unbeugsamen aus der Sicht eines elfjährigen Waisenmädchens und einer vierundzwanzigjährigen unverheirateten Frau geschrieben. Was hat Sie dazu gebracht, in zwei Stimmen zu schreiben? Als ich meine Tochter Lila großzog, habe i ..
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