Kurzbeschreibung: Wie hat es sich angefühlt, als dein Roman "Liebes Kind" nicht nur erfolgreich für Netflix verfilmt wurde, sondern auch noch mit dem internationalen Emmy ausgezeichnet wurde? Höchst surreal, ehrlich gesagt, weil man beim Schreiben ja nur die Geschichte vor sich sieht und nichts anderes von Bedeutung ist, als sie nach den eigenen Fähigkeiten bestmöglich zu Papier zu bringen. Dann entlässt man sie mit der Veröffentlichung in die Welt hinaus und hat ab diesem Zeitpunkt nicht mehr in der Hand, wie die Dinge sich entwickeln. Ich denke in solchen Momenten, wie zum Beispiel auch bei der Verleihung der International Emmys, auch immer nur genau das: Krass, das war mal ein kleines Word-Dokument – und nun sind wir hier. Aber eigentlich soll es auch genau so sein: Man muss sich auf den Kern konzentrieren, auf die Geschichte, und sollte keine Erwartungen haben oder Zielsetzungen, die so utopisch sind wie eine Auszeichnung aus Amerika. Alles, was kommt, nehme ich staunend an, aber unterm Strich verändert es weder mein Schreiben noch mich als Person: Ich will einfach nur meine Geschichten erzählen und bin dankbar, wenn ich damit Menschen erreiche. Immer wieder wird gesagt, deine Thriller funktionieren „anders“. Was könnte damit gemeint sein? Ich setze nicht auf Blut und Schockeffekte und ignoriere ein Stück weit die „Regeln“, nach denen ein Thriller für gewöhnlich funktioniert. Mich interessieren die Geschichten der Menschen, auch, wenn ich sie als Figuren nur erfunden habe. Deswegen müssen meine Leserinnen und Leser auch auf ein paar Leichen verzichten. Ich will Emotionen ansprechen, weniger die Angstlust bedienen. Und ich finde es auch wichtig, das zu tun: Zu zeigen, dass ein Thriller nicht nur Unterhaltung mit Gruselfaktor ist, sondern noch so viel mehr sein kann. Was reizt dich so am Thema „True Crime“? Mir und meinen Leser*innen bewusst zu machen, dass True Crime kein spannendes Genre ist, sondern ein wahres Verständnis dafür zu schaffen, dass wir hier über echte Menschen und echte Leben sprechen. Hier wird unmissverständlich klar, dass ein Leben sich innerhalb eines Wimpernschlags verändern kann, dass es vorbei sein kann. Wir haben nur dieses eine Leben und sollten es jeden Tag und in jeder Sekunde auch so behandeln. Welche Berührungspunkte hast du mit dem Thema „Demenz“? In meiner Familie gibt es keinen Fall von Demenz – noch nicht und glücklicherweise. Aber es gibt so viele Menschen, die als Erkrankte oder Angehörige davon betroffen sind. Die Zahlen sind heftig und die Prognose, wie sich diese Zahlen in der Zukunft entwickeln werden, sind beängstigend. Ich denke, das Thema zu bearbeiten, war mir so wichtig, weil ich das Gefühl habe, es wird nicht in dem Maße wahrgenommen, wie es wahrgenommen werden sollte. Die Krankheit – und vor allem die direkt oder indirekt davon Betroffenen – brauchen eine Stimme. Und das ist, was ich als meine Aufgabe begreife: Denen die Stimme zu geben, die ich durch meine Veröffentlichungen haben darf, die sie selbst nicht ..
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