Kurzbeschreibung: „Das ist das Wichtigste, was man über dich wissen kann“ Ich stelle mir den Skandal vor, als dieser Roman kurz vor dem Börsencrash 1929 erschien, den wunderbaren Skandal, der nicht zuletzt deutlich machte, dass das Viktorianische Zeitalter abgeschlossen war. Ich sehe vor mir, wie die Leute in der Buchhandlung nach dem Roman griffen und an der Kasse verschämt lächelten, weil alle wussten, dass Sex darin vorkam, ich male mir aus, wie das Buch in gewissen Kreisen in aller Munde war und in anderen Kreisen auch, wie schmallippige Kritiker ihre Geringschätzung mit abwertenden Rezensionen zum Ausdruck brachten, wie alle spekulierten, wer da mit einem solchen Erfolg auf die Bestsellerbühne gesprungen kam. Wegen seiner "Schlüpfrigkeit" wurde das Buch zuerst anonym veröffentlicht, und die Presse rief ein Ratespiel aus, um herauszufinden, wer Ex-Wife geschrieben hatte. Das Skandalbuch verkaufte sich in kürzester Zeit mit neun Auflagen mehr als 100000 Mal, machte seine Autorin reich und, als ihre Identität gelüftet war, auch berühmt: Ursula Parrott, geboren 1899 als Katherine Ursula Towle, war von da an eine der gefragtesten Autorinnen. Sie schrieb 22 Romane, mehr als 50 Kurzgeschichten und vier Drehbücher, acht ihrer Storys wurden für die Leinwand adaptiert und mit Größen wie Cary Grant und Humphrey Bogart verfilmt. Für die Hauptrolle im Film zum vorliegenden Roman wurde Norma Shearer mit einem Oscar ausgezeichnet. Ursula Parrott war ein Star. Auch das stelle ich mir vor: wie sie auf der Welle des Erfolgs schwamm und ganz in ihrem Element war. Dass sie Freundinnen hatte, mit denen sie Cocktails trinken ging, elegante Männer kannte, von denen sie sich zum Essen einladen ließ, in literarischen Zirkeln verkehrte und in rauschenden Nächten im Taxi saß, während hinter der regennassen Scheibe die funkelnde Stadt vorbeizog. Was für eine Freude, als schreibende Frau zu reüssieren, in den 1920er Jahren, in New York. Ich gönne es ihr umso mehr, weil sie Reporterin werden wollte und die sexistischen Herausgeber sie nicht einstellten. Keine Zeitung ließ Ursula Parrott Artikel schreiben – aber alle Zeitungen schrieben schlussendlich Artikel über Ursula Parrott. Das lässt mich ein Jahrhundert später noch mit jener Genugtuung grinsen, die sie bestimmt empfand. ..
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