Kurzbeschreibung: Lieber Lukas, wie bist Du zum Schreiben gekommen? Ich kann nicht genau sagen, wann das Schreiben an gefangen hat. Ich weiß nur, dass ich schon als Kind Geschichten erfunden und meiner ältesten Schwester zum Testlesen gegeben habe. Dass mich Worte bereits in frühen Jahren so fasziniert haben, liegt sicher an der Familie, in die ich hinein geboren wurde: Mein Vater ist Vietnamese, und wäre ihm nicht das tragische Schicksal zuteilgeworden, im Vietnam krieg aufwachsen zu müssen, dann wäre aus ihm ganz bestimmt ein Poet geworden. Meine Mutter ist Deutsche, und auch sie hat ein besonderes Sprachgefühl. Als jüngstes von vier Kindern vollendete ich diese bunte Familie, in der vor allem zwei Dinge sehr wichtig waren: Essen und Reden. Oft saßen wir stundenlang zusammen, haben Reis gegessen, Geschichten erzählt, diskutiert und uns gegenseitig unterbrochen. Worte waren also schon immer wichtig für mich. Und da es mir oft schwerfällt, mich zu öffnen, ist das Schreiben für mich auch immer eine Art der Reflexion und Selbstoffenbarung. Außerdem macht es mir unglaublich viel Spaß. Ich vergesse die Zeit beim Schreiben. Und ich liebe die Momente, wenn die Figuren anfangen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Das ist manchmal anstrengend, wenn sie dir dein ganzes Skript verdrehen, aber ich werde gern von ihnen überrascht. Wie bist Du auf die Geschichte von Kian und Marco gekommen? 2019 habe ich die erste Idee aufgeschrieben. Ich wollte jungen, einsamen und ohnmächtigen Figuren die Chance geben, so etwas wie Freiheit und Vertrauen zu erleben. Und dann nachfühlen, was das mit ihnen macht. Beim Schreiben und im Austausch mit meinem Bruder Benjamin hab ich dann gemerkt, dass die Geschichte nicht nur leicht sein darf. Die echte Welt ist für mich der Maßstab, deshalb braucht es eine gewisse Härte. Kinder mit gebrochenen Biografien liegen mir sehr am Herzen. Dass ich darüber schreibe, wundert niemanden, der mich näher kennt. Ich kann vieles von dem nachempfinden, was meine Figuren beschäftigt, deshalb das Setting und die Hauptfiguren. Was sollen den Leser:innen nach der Lektüre deines Romans bleiben? Ein bittersüßer Geschmack auf der Zunge. Vielleicht etwas Wärme, gemischt mit Erinnerungen an eigene Jugendtage. Ich hoffe, dass man meine Figuren nicht so schnell vergisst, wenn man das Buch zuschlägt. Ich wünsche mir Verständnis für Menschen, die am Rand der Gesellschaft aufwachsen. Die von Freiheit vielleicht etwas überfordert sind, die keine Stimme haben und die am Ende auch nur auf der Suche sind – so wie jeder von uns. Was war dir beim Schreiben wichtig? Was ist der Kern deines Romans? Wir leben in einer Zeit, in der gewisse Stimmen kaum gehört werden. Kinder und Jugendliche sind eine sehr vulnerable Gruppe. Wenn sie dann auch noch aus prekären Verhältnissen kommen, haben sie kaum eine Chance auf Repräsentation. Ich weiß, dass Geschichten Trost spenden und Raum für Identifikation öffnen. Sie ersetzen keine politischen Veränderungen, aber sie können die Gefühl ..
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