Kurzbeschreibung: Liebe Leserinnen, liebe Leser, Die Geschichte von Jan und seinen beiden Müttern, die ihn beide lieben und nur Gutes für ihn wollen, ihm aber dennoch Schaden zufügen, kreist um die Frage von Identität und Selbstbewahrung in einer menschenfeindlichen Umgebung. Ein Thema, über das ich mir, als ich in der DDR lebte, kaum Gedanken machte. Selbst zur Wendezeit, als Verbrechen des Staates an missliebigen Menschen endlich aufgearbeitet wurden, beschäftigte mich vor allem, ob ich dem großen Blonden aus der Zwölften schon aufgefallen bin, weniger jedoch das Leid aus vierzig Jahren Unrechtsstaat. Und doch hat sich das, was ich von fern beobachtet und mitbekommen habe, so tief eingegraben, dass es mich heute immer wieder umtreibt und schließlich zum Motor der Geschichten wird, die ich schreibe: Die sichtbare Qual von Thomas aus meinem Bekanntenkreis, der in der Armee so sehr schikaniert wurde, dass er sich 1988 in der Garage seiner Eltern erhängte. Hätte er doch nur noch ein Jahr durchgehalten! Die Tränen meiner Mutter am Abend des Mauerfalls, die sich zu ihrem 18. Geburtstag das Geschenk der Flucht über Berlin hatte machen wollen, ein Traum, der am 13. August 1961 zerschellte. Die fassungslosen Gesichter kluger, sensibler Frauen und Männer in Reportagen und Dokumentationen, die bis heute nicht verstehen, wie man für das Lesen eines Buches, das Aussprechen sachlichster Kritik in einem Gefängnis so gebrochen werden kann, dass man sich nie wieder sicher fühlt. All das lebt fort und findet zunehmend Gehör, was auch am Erfolg von Filmen und Serien, die um das Leben in der DDR kreisen, deutlich wird. Mich freut das enorm. Wie aktuell das Thema Zwangsadoption ist, beobachten wir überdies derzeit in der Ukraine, wo mutmaßlich Kinder verschleppt und in russische Familien zwangsadoptiert werden, ein widerwärtiges Mittel politischer Machtausübung. Freilich will ich niemanden bilden, schon gar nicht belehren. Ich bin als Autorin nicht mehr als ein Mensch mit Erinnerungen und Gefühlen, mein Zugang zu meinen Themen ist immer die Empathie mit Menschen. Ich versuche, aus ihren Köpfen, ihren Herzen heraus zu schreiben und damit zu zeigen, wie es sich anfühlte, in einem in jeder Hinsicht kleinen, beschränkten Land zu leben und mit seiner Führungsclique in Konflikt zu geraten. Mit anderen Worten: Was es bedeutete, unter solchen Umständen Mensch zu sein. Ganz herzliche Grüße sendet Ihnen Liv Marie Bahrow ..
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