Kurzbeschreibung: Rom und Florenz, Anfang des 17. Jahrhunderts Klimatisch eine Kleine Eiszeit, Hungersnöte, Pogrome, Hexenverbrennung, Seuchen, Kriege, dazu der erbitterte Kampf zwischen Aufklärung und Religion. So etwa lässt sich die Welt beschreiben, in die Artemisia Gentilechi am 8. Juli 1593 geboren wird. Keine besonders günstige Zeit für einen Freigeist, in Kombination mit einer starken Persönlichkeit, aber auch nicht die schlechteste. Abgesehen von diesen Eigenschaften besitzt Artemisia mindestens zwei weitere Gaben: Ein grandioses Talent – und das innere Feuer, alles dafür zu geben. Ihrer ungewöhnlichen Vita wegen wurde Artemisia über die Jahrhunderte hinweg und bis heute immer wieder in verschiedene Rollenbilder gezwängt: Liederliches Frauenzimmer, Feministin, von Männern dominierte Marionette, Femme Fatale, traumatisiertes Opfer, Emanze. Warum nicht gleich ein wildes Potpourri aus dem Ganzen? Vermutlich hat sie nichts von alldem verkörpert, schon gar nicht bewusst – dafür aber viel mehr: Eine ebenso emotionale wie sachlich denkende Frau, die Konventionen aufweichen und durchbrechen konnte – dank unbändigem Willen und großer Passion. Artemisia Gentileschi (1593-1654) schuf in ihren Bildern unvergessliche Frauendarstellungen, die man so noch nie gesehen hatte. Sie malte Figuren aus der Bibel oder der Mythologie, aber sie stellte sie auf eine völlig neuartige Weise dar. Die Frauen zeigten ihre Gefühle: Schmerz, Scham und Verletzlichkeit. Das Trauma der 17-jährigen Artemisia hatte Spuren hinterlassen – und große Wut. Ihre Bilder Susanna und die Alten oder Judith enthauptet Holofernes werden oft dahingehend interpretiert. Ihre Zeitgenossen empfanden das als verstörend: drastisch, brutal, unweiblich. Heute gelten diese Bilder als Meisterwerke. ..
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