Kurzbeschreibung: Nora Bossong, was hat Sie an Magda Quandt bzw. Goebbels während der Recherche überrascht? Man kennt Magda Goebbels als Vorzeigemutter des sogenannten „Dritten Reichs“, als eine Frau, die eine entscheidende Rolle in der Propagandamaschine des NS-Regimes gespielt hat. Auch von ihren letzten Stunden, dem Mord an sechs ihrer Kinder im Führerbunker, wissen die meisten. Dass diese Frau eine abgrundtiefe Fanatikerin war, ist offensichtlich. Doch wenn man in ihrer Lebensgeschichte zurück geht, werden auch Widersprüche deutlich – einige sind so groß, dass man sich fragt, wie aus der jungen Magda Friedländer, Stieftochter eines jüdischen Kaufmanns, verliebt in den Bruder einer jüdischen Schulfreundin, eine überzeugte Nationalsozialistin werden konnte. Ihr Weg war nicht vorgezeichnet, sie hat sich immer wieder selbst entschieden, noch tiefer in die NS-Ideologie hineinzugehen und das, was sie sogar in ihrer eigenen Biografie davor hätte bewahren können, von sich zu stoßen. Wie haben Sie die Balance zwischen historischen Fakten und erzählerischer Freiheit gefunden, um die Geschichte von Hans Kesselbach und Magda Goebbels zu erzählen? Gerade für erzählerische Freiräume ist gute Faktenkenntnis wichtig. So habe ich in den historischen Quellen selbst meinen Raum für die Fiktion gefunden: Während ihrer ersten Ehe mit dem deutlich älteren, einflussreichen Großunternehmer Günther Quandt hatte Magda tatsächlich eine Affäre, um die sich einige Legenden ranken. Es kursieren mehrere Namen, nichts ist wirklich sicher. Es soll ein etwas jüngerer Student der Rechtswissenschaften gewesen sein. Diese historische Lücke war für mich die Tür, durch die mein Protagonisten Hans Kesselbach in das Geschehen eintritt. Welche Bedeutung hat der titelgebende Reichskanzlerplatz für Magda Goebbels und für Ihren Roman? Am Reichskanzlerplatz bezog die geschiedene Magda Quandt ihre erste eigene, großbürgerliche Wohnung, gezahlt von ihrem geschiedenen Ex-Mann. Hier gab sie Salons und brachte Joseph Goebbels und auch Adolf Hitler mit der gehobenen Gesellschaft zusammen. Es war so gesehen der erste Ort, an dem die spätere Magda Goebbels aktiv politisch am Aufstieg der NSDAP mitwirkte. ..
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