Kurzbeschreibung: Lieber Wolfgang Maria Bauer, Sie sind ein gut beschäftigter Schauspieler, führen Regie, schreiben Theaterstücke und arbeiten als Schauspieldirektor in Landshut. Sie sind zudem passionierter Handwerker, haben zwei Kinder, kümmern sich um eine Flüchtlingsfamilie und um Ihre Mutter. Jetzt erscheint Ihr erster Roman – sind Sie nicht ausgelastet? Nein, weil das alles keine Last ist, sondern Freude, echter Spaß und Lust. Besonders, da ich das Leben auch anders kennengelernt habe. Was kann denn der Roman, was das Theater nicht kann? Man kann das Bühnenbild in null Sekunden umbauen, das Kostüm unbemerkt wechseln. Die Darsteller sind immer da, kommen nie zu spät oder müssen zur Massage. Ich kann um 5 Uhr morgens zur Probe bitten und sogar die Hauptrolle erscheint dann ausgeschlafen. Weit und breit keine Intendanten, keine Techniker, keine Leute, die dauernd sagen, "geht nicht". Im Roman wollen eigentlich immer alle mitmachen, nur ich kriege es oft nicht hin. Im Theater ist das meist umgekehrt. Der Held in "Kaltblut", Sprengmeister Stubber, ist ein Eigenbrötler. Er spricht kein Wort mehr als unbedingt nötig und hat nur einen einzigen Freund, ebenfalls ein Außenseiter. Ziehen Außenseiter notwendigerweise Außenseiter an? Was hat Sie an der Figur des Stubber gereizt? Vor allem sein Beruf. Der Sprengmeister. Übertragen ist das jemand, der in Gesellschaft gerne zündelt. Eine angeborene Abneigung gegen Etikette und Smalltalk hat. Da passiert zu wenig. Er provoziert, er fordert heraus, er polarisiert. Das ist eine windige Ecke, es ist nicht selten hart, dort zu stehen. Aber so ist seine Natur, das treibt ihn an. Und die wenigen Leute, die sich auch dort hinstellen, sind einander oft sympathisch, weil sie wissen, der andere kennt das. Sie leben am Rand der Alpen. Die Berge sind in "Kaltblut" eine wunderschöne, aber auch sehr bedrohliche Kulisse. Was verbindet Sie mit dieser Landschaft, die Sie so plastisch schildern? Nicht allzu viel, um ehrlich zu sein. Ich fahre manchmal Ski, wandere selten. Die Berge sind mir, in der richtigen Entfernung, dennoch wichtig. Als Horizont, als Begrenzung. Garmisch wäre mir zu nah dran, in Hamburg käme ich überhaupt nicht klar. Stubber steht nach einem Explosionsunglück unter Verdacht. Sie schildern mögliche Motive aller irgendwie Beteiligter und die Ermittlungsschritte der Polizei sehr genau und kenntnisreich. War Ihnen beim Schreiben Ihre jahrelange Erfahrung als Kommissar Siska eine Hilfe, den sie in der gleichnamigen Serie verkörpert haben? Wieviel Polizeiarbeit lernt man denn durch Drehbücher und am Set? Ich erinnere ein Telefonat mit dem Redakteur der Reihe. Ich hatte das neue Buch gelesen und war irritiert. "Es gibt drei Tatwaffen, aber nur zwei Leichen", fragte ich. "Egal", bekam ich zur Antwort, "merkt doch keine Sau." Also Nein. Ich habe nichts gelernt. Für meinen Text musste ich alles recherchieren, bei der echten Polizei. Hinsichtlich der möglichen Tatmotive habe ich mich bei Freunden erkundigt, etwa bei Christi ..
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