Kurzbeschreibung: __________________________________________________________ Sind Sie eigentlich gut im Kopfrechnen? Überhaupt nicht. Ich habe die deutschen Zahlen erst auf dem Gymnasium gelernt und habe seitdem immer noch Schwierigkeiten, sie akustisch zu verstehen. Das Zahlensystem, bei dem die Einer-Ziffer vor der Zehner-Ziffer genannt wird, scheint meinem Gehirn zu verdreht. Mit Stift und Papier klappt aber das Rechnen halbwegs. Und trotzdem haben Sie jetzt über zwei Mathematikstudenten geschrieben. Wie und wo sind Sie auf dieses ungewöhnliche Setting für Ihren neuen Roman gekommen? Tatsächlich in der Mensa. Es gab eine Zeit in meinem Leben, als ich nochmal ein Studium begonnen habe. Da war ich, ich sag mal so, schon deutlich über dreißig, mit Kindern gesegnet und natürlich viel älter als die meisten Kommilitonen. Und ich war interessanterweise nicht die Einzige. Da sitzt man an seinen wöchentlichen Hausaufgaben, wenn die Kinder im Bett sind und die andere Arbeit erledigt ist, und verflucht alles. Vom ersten Tag an dachte ich, die Komik dieser Situation schreit nach einem Roman. Stammt aus dieser Zeit das mathematische Fachwissen in "Pi mal Daumen"? Oder mussten Sie dafür eigens recherchieren? Beides. Ich habe in meinem Studium auch mathematische Vorlesungen und Seminare belegt. Von „Fachwissen“ würde ich bei mir zwar nicht sprechen, aber ich habe den Hauch einer Idee davon bekommen, was Mathematik bedeuten kann. Nämlich viel mehr Spiel und Spaß, als die meisten denken. In Ihrem Roman treffen zwei völlig unterschiedliche Charaktere aufeinander: Moni ist Anfang Fünfzig, hat drei Enkel und mehrere Nebenjobs. Der hochbegabte Oscar ist 16 Jahre jung, trägt einen Adelstitel und leicht autistische Züge. Zwei, die sich wohl nie über den Weg laufen würden und doch ziemlich beste Freunde werden. Was hat Sie dazu veranlasst, ausgerechnet diese Kombination zu wählen und die Beziehung dieser beiden näher zu beleuchten? Ich glaube, die beiden hätten durchaus viele Gelegenheiten, sich zu begegnen. Allerdings würde jemand wie Oscar, der sich zur geistigen Elite zählt, jemanden wie Moni normalerweise gar nicht zur Kenntnis nehmen. Das ist für mich das Spannende an der Konstellation: Moni ist eine Frau, die so viel auf ihren Schultern trägt, aber immer übersehen und unterschätzt wird. Oscars Blick auf sie ist anfangs geradezu verächtlich. Umso größer ist später die Zuneigung. Moni passt mit ihrem knalligen Lippenstift und tiefen Ausschnitt, in Lederrock und Leopardenbluse so gar nicht ins Logik-Seminar. Ein Mathematik-Studium würde ihr wohl kaum jemand zutrauen. Was möchten Sie durch diese ungewöhnliche Figur den Leserinnen und Lesern mitgeben? Moni war so ein Geschenk an mich selbst, weil ich so viel Spaß mit ihr hatte. Sie ist großzügig und bescheiden, und sie will niemandem etwas beweisen - außer sich selbst. Deswegen fliegen ihr die Herzen zu. Ich würde mich freuen, wenn es Leserinnen und Lesern auch so geht. Mir ging es auch um die Frage: Wo wird Talent verschwendet? ..
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