Kurzbeschreibung: Als ich von oben bis unten klitschnass und mit drei abgeschlagenen Köpfen einer Hydra in der Höhle meiner Tanten erschien, erhellten sich sofort ihre alterslosen Gesichter. Ihr begeistertes Gekreische hallte von den Steinwänden wider und bohrte sich wie Eiszapfen in meinen Gehörgang. Von ihrem Platz auf einer hohen Klippe segelte sofort meine jüngste Tante Tisi mit ihren ledrigen Fledermausschwingen herab. Sie landete nur eine Handbreit von mir entfernt, ihr kühler Atem streifte mich kurz an der Wange und augenblicklich überzog eine Gänsehaut meinen ganzen Körper. "Nur drei Köpfe?", fragte sie mit weitaus weniger Freude und packte einen davon mit ihren Klauen. "Es gibt nicht viele Abkömmlinge der Hydra. Ich wollte noch etwas für andere Abenteurer übrig lassen." Sie schnaubte und verdrehte die Augen, ehe sie den abgeschlagenen Kopf einer ihrer Schwestern zuwarf. "Als gäbe es heutzutage noch Abenteurer." Unter Schmerzen, die ich auf keinen Fall offen vor den Tanten zeigen wollte, steuerte ich mit den restlichen Köpfen und meinem Schwert einen bequem aussehenden flachen Stein an. Zu meinen Füßen stoben die Aberhunderten von Haustierschlangen meiner Ziehfamilie in alle Richtungen davon. Normalerweise waren sie – trotz Giftzähnen – anschmiegsame kleine Biester, aber sie spürten, dass ich mit aller Macht versuchte, die Blessuren, die mir mein letzter Auftrag beschert hatte, zu verbergen. Wenn ich mich heilte, würde das den dreien sofort auffallen. Bevor ich mich setzen konnte, hatte sich schon meine andere Tante an mich herangeschlichen. "Die großen Helden wie Herakles, Orion und Odysseus sind lange von uns gegangen, mein liebstes Kind." Tante Meggy, wie ich die mittlere Schwester liebevoll nannte, legte mir ihre kraftvollen Arme um den Brustkorb und drückte mich an ihren muskulösen Körper, der mich um zwei ganze Köpfe überragte. Ihre langen Krallen glänzten dunkel wie frisch vergossenes Blut, ein scharfer Kontrast zu meinem weißen Kleid. "Es gibt nur noch Monster wie uns." ..
|