Kurzbeschreibung: Mein bester Kumpel Tino war endlich sesshaft geworden. Geradezu spießig kam er jetzt daher. Vor sieben Jahren hatte er sich ein heruntergekommenes Haus gekauft. Da ihm selbst in Sachen Handwerk zwei linke Hände beschieden waren, legte er nicht selbst Hand an, sondern ließ das Haus von einer Firma ausbauen. Denn Schotter hatte er genug. Immer schon hatte er gut verdient. Mittlerweile war er Filialleiter einer Sparkasse. Sein ganzes Leben schon flog ihm irgendwie das Geld zu. Und das Geld war es vielleicht auch, warum ihm ebenso die Frauen zuflogen.Er hatte schon zwei Scheidungen hinter sich. Die letzte Ex-Frau hatte sich während der Renovierungsphase verabschiedet. Vielleicht war ihr das Leben mit Baulärm und Baustaub einfach zu viel gewesen. Nur ein halbes Jahr später hatte Tino schon wieder eine Frau an der Angel. Und diesmal machte er Nägel mit Köpfen. Zwei Töchter hatte sie ihm in den letzten fünf Jahren geschenkt. Erst danach hatte er Elisa geheiratet, denn diesmal wollte er wohl sicher gehen.Natürlich war auch ich bei der eher moderaten, privaten Hochzeitsfeier dabei gewesen. Bei den ersten beiden Hochzeiten, die natürlich in einem Schloss stattgefunden hatten, war es wesentlich pompöser zugegangen.Elisa war übrigens zehn Jahre jünger als Tino und da war es doch normal, dass ich nur von einem kurzen Intermezzo ausging, als er sie mir vor 6 Jahren vorstellte. Aber nicht nur ich, sondern auch die bucklige Verwandschaft wurden eines Besseren belehrt.Heute nun, an einem sonnigen Freitag, war ich mal wieder bei Ihnen eingeladen. Wir wollten zusammen ein Konzert der Band “Von Wegen Lisbeth“ besuchen. So oft sahen wir uns leider nicht, denn er und seine Familie wohnten zwei Autostunden entfernt. Es bedurfte immer eines Anlasses, sich mal zu treffen. Entspannt hatte ich früher Feierabend gemacht und war mit meinem Wagen zu ihnen gedüst. Vom Bäcker in der nahegelegenen Kleinstadt brachte ich noch ein paar Stück Kuchen mit, schließlich war ich zum Kaffee eingeladen. Dann genoss ich noch die letzten fünf Autominuten, die mich an etlichen Feldern vorbei führten.Schon von weitem konnte ich den alten steinernen Windmühlenturm sehen, denn Tino hatte damals nicht irgendein Anwesen erworben, sondern eines mit Holländermühle. Im Umkreis von zwei Kilometern war es das einzige Gehöft. Wer wollte in dieser zugigen Ecke auch wohnen? Um dem ständig darüber weg pfeifenden Wind Einhalt zu bieten, hatte Tino einen Birkenhain anpflanzen lassen. So war es wenigstens im mit großer Rasenfläche ausgestatteten Garten, der sich zwischen Bäumen und Haus befand, relativ windstill.Ich parkte vor dem prächtigen, schmiedeeisernen Zaun. Kaum hatte ich geklingelt, kam auch schon Luna, der Hund des Hauses, angerannt und bellte mich vergnügt an. Ehrlich gesagt, kann ich mit Hunden gar nichts anfangen, und ich habe eher Angst vor ihnen. Mir fehlt jedwedes Gespür für diese Tiere. Ich kann einfach nicht deuten, wie sie drauf sind und denke immer nur: »Gleich beißt er zu!«Als Kind war i ..
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